Zur Übersicht Max von Craftnote | 27. April 2020

Corona-Umfrage: Sehen Handwerksbetriebe sich in ihrer Existenz bedroht?

Die gute Nachricht voraus, die schlechteren hinterher.

Unsere Corona-Umfrage zeigt, dass mehr als 70 % der Handwerksbetriebe sich in ihrer Existenz bedroht sehen.

Die Corona-Pandemie schnürt der Arbeitswelt zunehmend die Luft ab. Branchenübergreifend beantragen immer mehr Unternehmen staatliche Hilfen. Egal ob Hilfsdarlehen, Soforthilfen oder Kurzarbeitergeld. Wir als MyCraftnote fragten uns deshalb, wie die Lage im Handwerk aussieht. Durch eine kurzfristige User-Umfrage zur Corona-Krise in unserer Handwerker-App, ergab sich eine klare Tendenz. Die neusten Entwicklungen geben berichtigten Grund zur Sorge. Lieferketten könnten ins Stocken geraten, Mitarbeiter drohen auszufallen, Fertigstellungen sich zu verzögern und Kunden auszubleiben. Neben der Umfrage war Handwerksunternehmer Udo Herrmann für ein Interview zur momentanen Lage bereit. Wo sieht er Kritikpunkte bei Hilfsmaßnahmen, wo Chancen für das Handwerk und wie sehen die Ergebnisse unserer Umfrage dazu aus? Das alles verraten wir im Weiteren.

Umfrageergebnisse: Die gute Nachricht voraus, die schlechteren hinterher.

An unserer Umfrage (Verlinkung Instragram-Schaubild zur Umfrage) nahmen 104 Betriebe aus 14 Gewerken teil. Unteranderem aus den Bereichen SHK, Elektro, Tischler, Bau und Dachdecker. Die gute Nachricht dabei, 91 von 104 Unternehmen arbeiten noch voll aktiv. Währenddessen mussten 11 Betriebe ihre Arbeit bereits einschränken und 2 komplett herunterfahren.

  • Allerdings ist sehen sich zu diesem recht frühen Zeitpunkt der Pandemie in Deutschland schon über 70 % der Handwerksfirmen in ihrer Existenz bedroht.

Die Zahlen einer groß angelegten Befragung des Zentralverbands des deutschen Handwerks (kurz: ZDH) von 4900 Betrieben untermauern das. Um die finanziellen Sorgen von eigentlich gut laufenden Unternehmen, die durch Corona in Schieflage geraten, aufzufangen, hat die Bundesregierung Sofort-Zuschüsse und Darlehen in Aussicht gestellt.

  • Allerdings haben bisher nur gut 15 % der von uns befragten Unternehmen Hilfen beantragt, wohingegen sich die große Mehrheit zurückhält (Stand 23.03.20). Nach neusten Zahlen hat sich die Beantragung von Hilfen innerhalb eines Monats deutlich erhöht.

Das erst zögerliche Verhalten könnte an den bürokratischen Hürden und den damit zu lang vermuteten Prozessen liegen, bevor tatsächlich Geld zu den Hilfesuchenden fließt. Das unterstreichen die Aussagen von Schreinereibesitzer Udo Herrmann im Craftnote-Interview, der einen weiteren Abbau von Bürokratie hilfreich fände.

  • Unter den beschlossenen Hilfsmaßnahmen ist in unserer Umfrage das Kurzarbeitergeld (53 %) am beliebtesten, gefolgt von Liquiditätshilfen (25 %) und steuerlichen Entlastungen (19 %).

Ein Hinweis, dass es den Betrieben darum geht ihre Mitarbeiter so lange wie möglich zu halten, wie auch Udo Herrmann feststellt. Eine Möglichkeit den drohenden Verlusten entgegenzutreten, wäre die Nutzung von digitalen Hilfsmitteln. In Zeiten von „Social Distancing“ kann so zum Beispiel der Kontakt zu Kunden oder im Team gefahrlos aufrechterhalten werden.

  • Doch 69 % der befragen Betriebe nutzt diese Möglichkeit momentan noch nicht.

Eine persönliche Meinung aus dem Handwerk von Udo Herrmann

Neben der Umfrage nutzte Craftnote-Geschäftsführer Gleb Christoffel die Chance und holte sich eine direkte persönliche Einschätzung von Handwerksunternehmer Udo Herrmann. Herrmann führt einen Schreinerbetrieb und ist nebenbei als Unternehmens-Coach tätig. Der Handwerker sorgte für Aufsehen, da er seine Bedenken gegenüber des Finanzhilfeschirms der Bundesregierung auf Facebook äußerte.

Sein Facebook-Appell wurde innerhalb kürzester Zeit 2000-Mal geteilt.

In seinem Beitrag lobte er zwar die Bemühung der Bundesregierung zur Hilfe, mahnte aber vor den zu langwierigen Bürokratischen Hürden durch die KfW Darlehen, bevor das Geld bei den Betrieben ankäme.In der Zeit könnte es eine Pleitewelle im Handwerk geben. Allein durch die Absagen von Messeaufträgen in den kommenden Wochen muss Herrmann einen Umsatzausfall von rund 70.000 Euro hinnehmen. Das geht nicht spurlos an einem Betrieb vorbei.

Zu den Chancen der Coronakrise äußerte sich Herrmann ebenfalls.

In den Zeiten von Home-Office werde es Unternehmen geben, die ihre Räumlichkeiten renovieren wollen. Außerdem könnten Privatkunden Ideen haben ihr Zuhause zu verändern, um es noch wohnlicher zu gestalten. Hier sind laut Herrmann Schnittpunkte mit Handwerksaufträgen zu erwarten.

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