15. September 2021
Geschrieben von: ea
Trend
Trend "Networking" (Teil 2) in der Trendmap Handwerk 2025

Gerade nach den Einschnitten der Corona-Pandemie kommt dem vernetzten Arbeiten ein zentraler Stellenwert für das erfolgreiche Wachstum von Unternehmen zu. Dies gilt nicht zuletzt für die Handwerksbranche, in der sich für die kommenden Jahre eine Reihe grundlegender Trends im Networking abzeichnet.

Seit 2019 informiert die – von dem Trendforscher Peter Wippermann – initiierte "Trendmap Handwerk 2025" Akteure aus der Handwerksbranche über wegweisende Entwicklungen in der Zukunft. Das Format bietet Handwerksbetrieben somit eine wichtige Orientierungshilfe, um frühzeitig neue Wachstumspotenziale identifizieren und umsetzen zu können. Neben den drei großen Themenclustern Automation, Engagement und Marketing rückt die Trendmap 2025 hierbei ebenso unterschiedliche Aspekte rund um den Trend "Networking" in den Mittelpunkt. Dieser Trend beschäftigt sich unter anderem mit der Rolle von Netzwerken in relevanten Zusammenhängen wie dem Cost-Cutting oder dem Building Information Modeling (BIM). Anknüpfend daran stellt der folgende Beitrag einen ersten Überblick zu den zentralen Networking-Trends in der Handwerksbranche bereit.

Die Kosten erfolgreich minimieren - das Cost-Cutting

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen der Corona-Pandemie haben bei vielen Handwerksunternehmen zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Für betroffene Betriebe ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, die neue Finanzlage eingehend zu analysieren und die eigene Liquidität langfristig zu sichern. Nicht nur sollte hierzu der offene und direkte Dialog mit Lieferanten, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden gesucht werden. Sondern im selben Moment lohnt es sich, entsprechende Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite - wie etwa die Förderung von Homeoffice-Arbeitsplätzen - zu prüfen.

Als weiterer Faktor lässt sich darüber hinaus zugleich die gezielte Neuorganisation der bestehenden Arbeitsstrukturen und -abläufe anführen. Denn gerade die fortschreitende Digitalisierung bietet vielen Handwerksunternehmen die besondere Möglichkeit, auf relativ unkomplizierte Weise die eigenen Betriebsprozesse zu optimieren sowie zusätzliche Märkte und Kundenkreise zu erschließen.
Vom Modell des Co-Working Spaces profitieren

Klassischerweise haben sich "Co-Working Spaces" in den vergangenen Jahren vor allem als gewinnbringendes Umfeld für Jungunternehmer:innen und Freiberufler:innen etabliert, da sich in diesen die vorhandene Infrastruktur gemeinsam und somit kostensparend nutzen lässt. Doch neben diesem ökonomischen Vorteil zeichnen sich Co-Working Spaces aufgrund ihres kooperativen Charakters ebenso durch ein äußerst hohes Innovationspotenzial aus, welches regelmäßig zu neuartigen Produktlösungen führt.

Diese besonderen Eigenschaften lassen das Modell des Co-Working Spaces nicht zuletzt zu einer spannenden und zukunftsweisenden Option für Handwerksunternehmen werden. Denn Handwerker:innen und Handwerksbetriebe können nicht nur in etwaigen Co-Working Werkstätten für ihre Projekte flexibel Technologien und Maschinen nutzen, deren Anschaffungskosten ansonsten das vorhandene Budget übersteigen würden. Sondern im selben Moment besteht für Handwerksunternehmen zudem die Möglichkeit, durch das gezielte Teilen eigener Betriebsstrukturen von neuen Arbeitsansätzen zu profitieren und zusätzliche Einnahmen durch die Vermietung zu generieren.

Die Optimierung von Bauprozessen - das Building Information Modeling (BIM)

Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hat sich das "Building Information Modeling" (BIM) in den letzten Jahren als fester Bestandteil in jeder zeitgemäßen Bauplanung etabliert. Das BIM entspricht hierbei einer kooperativen Datenbasis, die ein detailliertes dreidimensionales Modell eines bestimmten Gebäudes im digitalen Raum ermöglicht. Somit kann die Technik sowohl flexibel zur Planung von Bauwerken wie auch zur Steuerung von Bauprozessen und der Bewirtschaftung von Gebäuden genutzt werden.

Da das BIM darüber hinaus einen stets aktuellen und vernetzten Datenabgleich zwischen den Projektpartnern und etwaigen Behörden erlaubt, trägt es wesentlich zur Optimierung des Zeit- und Kostenaufwands bei. In Anbetracht dieser grundlegenden Vorteile ist es kaum verwunderlich, dass - neben zahlreichen anderen europäischen Ländern - auch Deutschland zukünftig verstärkt auf einen verbindlichen Einsatz des BIM bei Bauvorhaben setzt. Handwerksbetriebe sollten sich deshalb bereits jetzt mit den Anwendungsbereichen des BIM vertraut machen sowie entsprechende Qualifikationsmaßnahmen einplanen.

Die Unternehmenskultur als Wettbewerbsvorteil - der Ansatz agiler Teams

Der sich vollziehende Strukturwandel weg von der klassischen Industriekultur und hin zu einer Netzgesellschaft macht sich auch bei Handwerksbetrieben auf unterschiedlichsten Ebenen bemerkbar. Denn nicht nur verändert dieser in wesentlicher Weise das Verhältnis zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Sondern zugleich wirkt er sich ebenso auf die interne Betriebskultur aus. So werden beispielsweise stark ausgeprägte Hierarchien und eng abgesteckte Verantwortungsbereiche von vielen Mitarbeiter:innen zunehmend als überholt wahrgenommen. Um diese übergreifende Entwicklung als positive Chance wahrnehmen zu können, empfiehlt es sich für Handwerksunternehmen deshalb, ihre Betriebskultur verstärkt an zeitgemäßen Methoden des Projektmanagements auszurichten.

Diese Methoden orientieren sich hierbei vorzugsweise am Einsatz agiler und projektbezogener Teams, die in fließenden Arbeitsprozessen und Feedbackschleifen gemeinsam an der Findung von Lösungsansätzen sowie an deren praktischer Umsetzung arbeiten. Neben dem aus der Softwareentwicklung stammenden Scrum-Verfahren zeigen sich in diesem Kontext ebenso die Methode des Design Thinkings und das Konzept der holokratischen Arbeitsorganisation als zentrale Orientierungspunkte.

Gemeinsame Werte als Erfolgsbasis nutzen - der Cultural Fit

Letztlich hängt der langfristige Erfolg eines jeden Unternehmens von der Gewinnung der richtigen Mitarbeiter:innen ab. Doch während Mitarbeiterentscheidungen traditionell vorwiegend anhand fachlicher Qualifikationen getroffen wurden, zeichnet sich zukünftig ebenso die gemeinsame Wertebasis als ein zentrales Auswahlkriterium ab. Diese gemeinsame Wertebasis kommt im Konzept des Cultural Fit zum Ausdruck, das letztlich auf eine größtmögliche Übereinstimmung zwischen Bewerber:in und Arbeitgeber:in hinsichtlich Arbeitsweise und Betriebskultur abzielt.

Gerade für die Gewinnung von hochqualifizierten Facharbeiter:innen und jungen Talenten übernimmt der Cultural Fit dabei zusehends eine wesentliche Rolle, da diese eine gemeinsame Wertebasis als grundlegendes und sinnstiftendes Kriterium bei der Auswahl des Arbeitsplatzes ansehen. Insofern empfiehlt es sich für Handwerksunternehmen, die Werte der eigenen Betriebskultur zukünftig noch deutlicher hervorzuheben und offen zu kommunizieren. Als wegweisend hierfür zeigt sich insbesondere der Einsatz digitaler Medien, durch welche potenziellen Bewerber:innen bereits vorab ein erstes Bild des eigenen Betriebs vermittelt werden kann.

Das New Normal erfolgreich gestalten - der Trend der Distance Disco

Bereits jetzt wird offensichtlich, dass viele Veränderungen, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben haben, zu einem festen Bestandteil der zukünftigen Arbeitsrealität werden. Dies gilt vor allem für relevante Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen - wie etwa die Einhaltung von Desinfektions- und Abstandsregeln -, welche für den täglichen Mitarbeiterschutz weiterhin wichtig sind. Doch im Zuge der verstärkten Automation von Arbeitsprozessen und der beschleunigten Digitalisierung von Arbeitsplätzen wirft die neue Normalität ebenso zahlreiche Fragen hinsichtlich der zukünftigen Arbeitsorganisation und Mitarbeiterführung auf.

Für Handwerksbetriebe gilt es deshalb nicht nur dauerhafte und sinnvolle Konzepte im Bereich des Gesundheitsschutzes zu entwickeln. Sondern im selben Moment sollte die zukünftige Gestaltung der Arbeitswelt frühzeitig adressiert werden, um die Betriebsabläufe auch unter den Bedingungen der neuen Normalität proaktiv und erfolgreich gestalten zu können.
Fazit

Die aufgeführten Punkte verdeutlichen, dass der zukünftige Erfolg von Handwerksunternehmen auf unterschiedlichsten Ebenen eng mit den Potenzialen des vernetzten Arbeitens verknüpft ist. Darum lohnt es sich für die Akteure der Handwerksbranche bereits heute, die besonderen Möglichkeiten dieses Trends umfassend zu erörtern und für die eigenen Ziele nutzbar zu machen. Weiterführende Informationen zu den zentralen Networking-Trends und ihren praktischen Anwendungsbereichen können hierbei unter anderem kostenlos auf der offiziellen Webseite der Trendmap 2025 eingesehen werden.