14. September 2021
Geschrieben von: ea
Trend
Trend "Networking" (Teil 1) in der Trendmap Handwerk 2025

Networking im Handwerk trotz Corona? Ja, das geht! Erstmals auf der internationalen Handwerksmesse 2019 vorgestellt, will die Trendmap die wichtigsten Entwicklungen für das Handwerk aufzeigen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie muss die Branche mit neuen Aufgaben und zahlreichen Herausforderungen umgehen. Daher wirft die Trendmap 2025 einen Blick auf digitale Veränderungen und die mit ihnen einhergehenden Chancen für Unternehmen. In diesem Blogartikel erfährst Du, welche Wachstumsfelder sich zurzeit in der Branche auftun und wie Du Dein Unternehmen zukunftsfähig machen kannst.

Gig Working

Aus der Musikszene stammend, steht "Gig-Working" für bezahlte, zeitlich befristete Tätigkeiten. Gig-Worker bieten ihre Arbeit auf branchenspezifischen Online-Plattformen an, die ihnen Auftraggeber vermitteln. Dafür ist lediglich eine Beschreibung der eigenen Qualifikationen und Fähigkeiten sowie des Stundensatzes (und gegebenenfalls der Verfügbarkeit) nötig. Zum Einsatzort bringen Gig-Worker häufig ihr eigenes Werkzeug mit.

Gig-Working ist ein Trend, der in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen hat: Gig-Working-Portale für das Handwerk sind in den letzten Jahren stark gewachsen und werden auch von Handwerksbetrieben genutzt, um mehr Aufträge zu gewinnen. Dabei birgt diese Art des Arbeitens Vor- und Nachteile für die Arbeitenden: Einerseits bildet Gig-Working einen Gegensatz zum traditionellen Arbeitsverhältnis. Gig-Worker haben die volle Kontrolle über ihre Aufgaben und können sich Arbeit und Freizeit flexibler einteilen. Andererseits geht dies mit weniger Arbeitsplatzsicherheit und einer eigenverantwortlichen, häufig schlechteren sozialen Absicherung einher.

Remote Working

Mobiles und ortsungebundenes Arbeiten ist mit der Corona-Pandemie auch im Handwerk populär geworden. Nicht nur die Projektplanung und die Verwaltung wurden ins Homeoffice verlegt, auch für die Betreuung der Kunden und das Personalmanagement musste man neue Wege finden. Um die Arbeit online oder über das Smartphone organisieren zu können, war es oftmals notwendig, cloudbasierte Kollaborationsplattformen einzurichten und den Zugriff auf das Firmennetzwerk abzusichern.

"Remote Working" will gelernt sein, daher benötigen Mitarbeiter:innen Zeit, um sich an die Umstellung und die neue Eigenverantwortung für das Arbeiten im privaten Umfeld zu gewöhnen. Gerade die Aufgabe, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen, fällt nicht allen Mitarbeiter:innen leicht. Vor allem ältere Mitarbeiter:innen haben häufig noch Schwierigkeiten mit der digitalen Seite des Remote Working. Deshalb ist es sinnvoll, ihnen Teamkolleg:innen zur Seite zu stellen, die Fragen zu technischen Tücken beantworten können.

Für erfolgreiches Remote Working sind das Engagement aller Beteiligten und die Haltung der Führungskräfte enorm wichtig. Letztere sollten dafür sorgen, dass die nötige digitale Infrastruktur bereitsteht und die Mitarbeiter hinreichend ausgerüstet sind. Außerdem ist es entscheidend, Kontakt zu halten, ohne zu viel Kontrolle auszuüben. Vermittelst Du Deinen Mitarbeitern, wie wertvoll sie für den Betrieb sind - auch wenn man sich gerade nicht persönlich gegenüber sitzt. Für die Firmenkommunikation sollte ein gemeinsamer Kanal ausgewählt werden, damit die Vernetzung zwischen Personen und Teams nicht auf unterschiedlichen Plattformen zerläuft.

Silver Worker

Noch ist Arbeiten jenseits der 70 die Ausnahme - langsam wird sich der Trend der "Silver Worker" aber durchsetzen. So hat sich der Anteil der Silver Worker - also der im rentenfähigen Alter noch Berufstätigen - seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht. 2016 waren es ca. 1,4 Millionen Rentner:innen, die noch arbeiteten. Als Gründe für das Weiterarbeiten werden Spaß an der Arbeit, Geldverdienen und Kontakt zu anderen Menschen angegeben.

Die Anhebung des Rentenalters auf 67 kam dem demografischen Wandel entgegen. Für das Handwerk birgt der Trend Chancen, aber auch Risiken: Zwar sind die Deutschen im Rentenalter körperlich und geistig fitter denn je, natürlich spielt aber auch die berufliche Tätigkeit eine Rolle. Straßenbauer oder Maurer sind anderen Belastungen ausgesetzt als Büromitarbeiter.

Trotzdem kann sich der Einsatz engagierter Mitarbeiter:innen als Silver Worker für Handwerksbetriebe auszahlen. Dafür muss die deutsche Politik allerdings noch einige Weichen stellen: Um Anreize zu schaffen, sollten die Betriebe die Renten- und Sozialbeiträge für Silver Worker gewinnbringend abführen können. Und auch die Arbeiter:innen sollten ihren Verdienst und die Rente nicht voll versteuern müssen.

On Demand Learning

"On Demand Learning" basiert auf E-Learning-Angeboten und stellt eine Methode dar, sich Wissen dann anzueignen, wenn es wirklich gebraucht wird. Das deutsche Unternehmen Craftguide bietet Handwerker:innen die Möglichkeit, bedarfsorientiert Wissenslücken zu schließen. Dafür stellt die Plattform Video-Tutorials, 3-D-Modelle sowie Augmented- und Virtual-Reality-Angebote mit professionellem Handwerkswissen bereit.

Mit On Demand Learning können sich auch kleine und mittelständische Unternehmen ökonomisch an die sich schnell verändernde Arbeitswelt anpassen. Mitarbeiter:innen können gezielt das lernen, was ihr Betrieb zurzeit braucht.

Weiterbildungen gibt es aber nicht nur online: Die deutschen Handwerkskammern zählen mit mehr als 500 Bildungszentren bundesweit zu den größten Weiterbildungsanbietern des Landes.
Distance Disco

Der Trend "Distance Disco" ist nicht nur für Deine Mitarbeiter:innen, sondern für den gesamten Betrieb relevant und kommt den Corona-Auflagen des Bundes und der Länder entgegen.

Betriebe sollten sich darauf einstellen, dass trotz der aktuellen Entspannung der politischen Maßnahmen bestimmte Arbeitsschutzmaßnahmen und Verhaltensweisen in der Zusammenarbeit von Dauer sein werden. Dazu zählen unter anderem die Arbeitsplatzgestaltung sowie Präventionsmaßnahmen in den Sanitär- und Pausenräumen. Auch wenn die Corona-Pandemie in Folge der weltweiten Impfungen an Kraft verlieren sollte, gehen Experten davon aus, dass Social Distancing bis 2022 relevant bleiben wird.

Zahlreiche Handwerksbetriebe haben beispielsweise bereits in Digitalisierung und Automation investiert, um die virtuelle Zusammenarbeit zu ermöglichen. Auch die Mitarbeitermotivation spielt eine Rolle. Für Führungskräfte bedeutet das, sich mit den Sorgen und Ängsten der Mitarbeiter:innen zu beschäftigen. Dazu zählen gesundheitliche Sorgen, aber auch Existenzängste und Angst vor Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit.

Zu den Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit gehören außerdem Pläne für das häufige Lüften der Räume sowie Möglichkeiten zum Händewaschen. Hinzu kommt, dass berührungsintensive Oberflächen wie Türgriffe, Touchscreens und Werkzeuge in kurzen Abständen desinfiziert werden müssen. Dies geht mit Kosten für Handschuhe, Masken und Desinfektionsmittel einher. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Kosten für die Installation von Handwaschstationen und die Zeiten fürs Händewaschen und Desinfizieren. Trotzdem sollten Sie den Trend "Distance Disco" nicht verpassen oder auf die leichte Schulter nehmen. In der Arbeitswelt nach (beziehungsweise mit) Corona nimmt die Gesundheitssicherheit eine zentrale Rolle ein - für Deine Mitarbeiter:innen wie auch für die Zukunftsfähigkeit Deines Betriebs.

Fazit

Networking macht in der Trendmap 2025 eine der wichtigsten Zukunftsentwicklungen für das Handwerk aus. Hierbei geht es nicht so sehr um ein fest umrissenes Konzept, das sich auf jedes Unternehmen anwenden ließe. Stattdessen sind Handwerksbetriebe aufgefordert, sich mit der Reorganisation der Arbeitswelt und ihren neuen Spielregeln auseinanderzusetzen. Nicht in allen Gewerken lässt sich beispielsweise die Flexibilisierung von Arbeitsorten und -zeiten gleich schnell durchsetzen. Trotzdem lohnt es sich für Betriebe, dem ein oder anderen Trend Aufmerksamkeit zu schenken - nicht nur, um für die Mitarbeiter:innen attraktiv zu bleiben, sondern auch um vorhandene und potenzielle Kund:innen zu erreichen, die längst auf die digitalen Trends umgestiegen sind.