16. September 2021
Geschrieben von: ea
Trend Automation (Teil 1): Die digitalen Trends der Trendmap Handwerk 2025

Welche neuen digitalen Trends gibt es? Welche Vorteile können sie Dir und Deinem Unternehmen bringen? Wir zeigen, warum sich der Blick auf die Trendmap lohnt.

Erstmals auf der Internationalen Handwerksmesse 2019 vorgestellt, beleuchtet die Trendmap 2025 neue Trends und Wachstumsfelder der Branche. Diese zeigen Betrieben, in welche Richtung sich das Handwerk entwickelt - sowohl Herausforderungen als auch Chancen spielen dabei eine Rolle. Die Unternehmen erfahren, wie sie ihr Geschäft zukunftsfähig machen können. Neben den Clustern Engagement, Marketing und Networking umfasst die Trendmap den Bereich Automation. Im Folgenden bündeln wir die wichtigsten gegenwärtigen Entwicklungen des Themas "Software" und zeigen, wie sie das Handwerk in den kommenden Jahren beeinflussen werden.

Remote Support

Remote Support ist angesichts der Notwendigkeit zu "Social Distancing" ein Trend, der es ermöglicht, schnellen, flexiblen Service bereitzustellen. Per Videoanruf können Mitarbeiter mit Auftraggebern kommunizieren und sich Problemstellungen beschreiben lassen. Dabei setzt man Augmented-Reality-Elemente wie Zeichnungen und Symbole ein - wodurch die reale mit der virtuellen Realität verschmilzt. So können Kunden Handwerker:innen das betreffende Gerät live zeigen und diese übertragen ihr Fachwissen auf den Bildschirm der Kund:innen.

Bei Augmented-Reality-Anwendungen stehen Deinen Mitarbeitern:innen digitale Werkzeuge zur Verfügung. Mit diesen kann man Fotos und Videos kennzeichnen, um Handlungsanweisungen zu verdeutlichen. Für den Kunden könnte der Service nicht einfacher sein: Durch diese schrittweise Anleitung ist in vielen Fällen eine Reparatur, Wartung oder Instandhaltung gemeinsam mit dem Kund:innen möglich. Transport- und andere unnötige Kosten werden auf diese Weise vermieden, außerdem sparst Du viel Zeit.

Mixed Reality

Während Virtual Reality (VR) eine virtuelle Umgebung meint, in der Nutzer:innen interaktiv vorgehen können, bezeichnet Mixed Reality eine Technologie, die die physische und die virtuelle Wahrnehmung der Wirklichkeit miteinander verbinden. Virtual Reality wird schon heute eingesetzt, beispielsweise beim Design neuer Autos und komplexer Maschinen.

Mit Augmented-Reality-Angeboten werden im direkten Umfeld der Nutzer:innen digitale Zusatzinformationen - zum Beispiel Texte, Bilder oder Videos - nutzbar. Handwerker:innen könnten solche Zusatzinformationen bei der Bearbeitung von realen Objekten für sich nutzen, indem sie beispielsweise Erklärvideos zu einzelnen Bauteilen oder den nächsten Arbeitsschritt einblenden. Dies ist nicht nur für die Steigerung der Effektivität von Schulungen interessant, sondern hält auch einen echten Mehrwert für die Arbeit bei Kunden:innen bereit.

Blockchain

Blockchain, was ist das eigentlich? Diese Art von Software speichert Informationen transparent, unveränderlich und besonders sicher - so dass eine Vertrauensbasis und offene Kommunikation automatisch gegeben sind. Die Blockchain stellt den Beteiligten dezentral verschlüsselte Datensätze zur Verfügung. Neue Informationen werden stets in einem neuen Block gespeichert. "Smart Contracts", die über einprogrammierte Regeln und Funktionen verfügen, machen Vermittler beziehungsweise Verwalter der Buchhaltung und Lieferkette obsolet.

Mit Smart Contracts könnte man die herkömmlichen Verträge ersetzen, die bei jedem Bauvorhaben geschlossen werden, und so Verzögerungen und Streitigkeiten vermeiden. Mit einer Blockchain können alle Projektbeteiligten ein automatisiertes Zahlungsmanagement nutzen, welches regelt, wer welche Leistung erbringen muss und wann Zahlungen fällig werden.

Mit Hilfe virtueller Baumodelle können neben Infos zu Materialien und Mengen auch die Kosten gespeichert und automatisierte Abrechnungsmodelle erstellt werden. Wenn Mitarbeiter auf der Baustelle eine Aufgabe abgeschlossen haben, können sie dies über ihr Smartphone noch vor Ort bestätigen und eine Zahlung auslösen. Diese muss dann nur noch von den anderen Teilnehmenden geprüft und bestätigt werden. Das Resultat ist ein einfacherer, transparenter Zahlungsverkehr, der Rechtsstreitigkeiten vermeidet.

Künstliche Intelligenz

Mit KI lässt sich intelligentes Verhalten automatisieren, außerdem ermöglicht sie die Kommunikation zwischen Maschinen sowie zwischen Menschen und Maschinen. Schon heute profitiert die Planung und Produktion enorm von Expertensystemen, die in der Lage sind, Prozessabläufe zu steuern und Fehler zu beseitigen. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Computerprogramm "Watson" des IT- und Beratungsunternehmens IBM, das für die Fehlersuche in technischen Systemen und in der Medizin Anwendung findet.

Auch die Angebotserstellung kann durch KI vereinfacht werden. Hierfür bedient sich der Bereich Predictive Analytics der Analyse großer Datenmengen und leitet daraus Vorhersagen und die Planung von Mitarbeiter:innen, Maschinen und Materialien ab. Auch Angebote werden vollautomatisch erstellt und man hat die Möglichkeit, die Profitabilität eines Auftrags genau zu berechnen. Ein weitere Einsatzmöglichkeit von KI im Handwerk ist die Fernwartung von Maschinen - nicht durch Menschen, sondern durch Maschinen.

Zero User Interface

Experten sind sich sicher, dass Systeme mit Sprachsteuerung in Zukunft bedeutsamer sein werden als Smartphone und Co. Zwar werden Texteingabe und Touchscreens nicht vollkommen verschwinden - doch Sprachschnittstellen, Gesichtserkennung und Gestensteuerung stellen den zukünftigen Zugang zur digitalen Welt dar.

Potenziale birgt der Trend vor allem für das Elektrohandwerk. Schließlich gibt es schon heute intelligente Häuser, in denen Geräte, Türen, Fenster und Jalousien automatisiert und miteinander vernetzt sind. Insbesondere die Bereiche Gebäudetechnik, Wohnkomfort, Sicherheit und Energieeffizienz bieten hier aber noch weitere Möglichkeiten. Neueste Entwicklungen sind beispielsweise die Gesichtserkennung der Video-Türklingel via Smartphone, Tablet oder Fernsehgerät. Die Daten können in der Cloud gespeichert werden - so dass das System Gesichter noch schneller erkennt und stets weiß, wer vor der Tür steht.

In der Mache sind zudem bereits Geräte, die sich dank Radarchips räumlich, also über Gesten, bedienen lassen. Fahrzeughersteller wie BMW sind dem Trend auf der Spur: So kann man in einigen Autos des Herstellers das Infotainmentsystem mit Tippen, Wischen und Kreisen bedienen.

Touchless Technology

Seit öffentlich genutzte Oberflächen wie Bildschirme, Metallgeländer und Plastiksitze eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit darstellen, hat auch die Touchless-Technologie Fahrt aufgenommen. Touchscreens, die vor wenigen Jahren noch voll im Trend waren und ermöglichten, Geräte per Fingerdruck zu steuern, werden heutzutage häufig als unhygienisch empfunden. Die Zukunft gehört der Touchless Technology. Stattdessen geht der Trend dahin, mit der eigenen physischen Präsenz, Sprache oder Gesten mit Maschinen zu kommunizieren. So werden immer mehr Heizungen, Türen, Seifenspender oder Toilettenspülungen über Sensoren gesteuert. Sprachsteuerungen wie Alexa und Siri ermöglichen die berührungslose Steuerung intelligent vernetzter Smart-Home-Geräte.

Für den Innenausbau sowie die Elektro- und Sanitärtechnik entsteht hier ein neuer Markt. Besonders ergiebig ist auch die Möglichkeit der Touchless-Technologien, sich mit KI zu vernetzen und dadurch beispielsweise Gesichter mit Identitätsdaten abzugleichen. Die Protokollierung und Rückverfolgbarkeit, das Überprüfen von Zugangsberechtigungen und damit die Sicherheit ist mit Hilfe berührungsloser Technologien kein Problem.

Fazit

Ob multimediale Lernprogramme, mobile Endgeräte oder Videokonferenzen - die Digitalisierung ist im deutschen Handwerk angekommen. Zwar sind Zukunftsthemen wie Blockchain, Künstliche Intelligenz und Robotik für viele KMUs zurzeit noch zu teuer beziehungsweise sparen zu wenig Zeit. Als Handwerksunternehmer:in lohnt es sich aber dennoch, sich mit Hilfe der Trendmap 2025 mit den Trends auseinanderzusetzen und den eigenen Betrieb zukunftsfähig zu machen. Mit dem Ausbreiten der Automation im Handwerk ergeben sich zahlreiche Potenziale auch für kleinere Unternehmen.