06. Dezember 2021
Geschrieben von: Max Lehmann
Sinkende EEG-Umlage sorgt nicht unbedingt für Entlastung beim Strompreis

Die Strompreise steigen, doch die EEG-Umlage wird 2022 so tief sinken wie seit 10 Jahren nicht mehr. Alles Wichtige was Handwerksunternehmer nun zur Entwicklung der EEG-Umlage wissen müssen, findest Du hier.

Die Strompreise in Deutschland steigen zwar enorm an, doch die EEG-Umlage - auch “Ökostromumlage” genannt - wird 2022 sinken. Und das um ganze 43 % auf ein 10-Jahres-Tief. So will das Wirtschaftsministerium Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen bei steigenden Strompreisen entlasten.
Ob das wirklich funktioniert und was es mit der Entwicklung der EEG-Umlage auf sich hat, erfährst Du im Folgenden:

  • Wofür die EEG-Umlage gedacht ist

  • Warum die EEG-Umlage 2022 sinkt

  • Von welchen Faktoren die EEG-Umlage beeinflusst wird

  • Der Nutzen: Den Strompreis eher stabilisieren als deutlich senken

  • Wie das Handwerk auf die Entwicklung reagiert

  • Zur Zukunft der EEG-Umlage

Wofür die EEG-Umlage gedacht ist

Bei der EEG-Umlage - hierbei steht EEG für erneuerbare Energien Gesetz - geht es um den Anteil der Stromkosten, die bei allen Stromverbrauchern anfallen. Auch “Ököstromumlage” genannt, ist sie dafür da, die Finanzierung beim Ausbau von erneuerbaren Energien zu sicherzustellen. Das funktioniert über überschüssigen Strom von erneuerbaren Energie-Anlagen (wie Photovoltaiksystemen), der in das öffentliche Netz eingespeist wird. Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind dann dazu verpflichtet, diesen Strom zu einer festen Pauschale abzunehmen. Anschließend wird der Strom über die Strommarkt direkt, über Vermittler oder außerhalb der Börse angeboten. Gibt es Differenzen zwischen den Stromproduktionskosten und dem Marktpreis, wird dies ausgeglichen. Mehr zum Thema Photovatik und dem Thema Solarpflicht findes Du in unserem weiteren Artikel im Blog.

Kurz gesagt:
Die Auszahlungen der ÜNB an die EE-Anlagenbetreiber übersteigen teilweise um ein vielfaches den dafür eingenommenen Preis am Strommarkt. Der erstattete Differenzbetrag vom Bund wird durch die EEG-Umlage auf alle Stromverbraucher “umgelegt”.

Doch nicht jeder Stromverbraucher zahlt dieselbe EEG-Umlage. Stromintensive Industriezweige beispielsweise, zahlen weniger Pauschale, damit diese Firmen etwas entlastet werden. Welche Firmen unter die Sonderregelungen fallen, kann auf der Webseite der Bundesnetzagentur nachgeschaut werden.

Die EEG Umlage wird 2022 ein 10 Jahres Tief erreichen mit rund 3,7 ct/kWh von zuletzt 6,5 ct/kWh im Jahr 2021 (siehe unten).

Warum die EEG-Umlage 2022 sinkt

Die Senkung von 6,5 auf 3,7 ct/kWh setzt sich zum einen aus dem mit 3,25 Milliarden Euro erwirtschafteten Bundeszuschuss durch die CO2-Abgabe und zum anderen aus den gestiegenen Preisen am Strommarkt zusammen. Somit drückt der Bundeszuschuss den EEG-Kontostand höher als zuvor und der gestiegene Strompreis lässt zusätzlich die Umlage sinken. Denn durch steigende Preise verringert sich der Differenzbetrag den die ÜNB als Ausgleich für die festgelegten Vergütungssätze für den eingespeisten Strom von den EE-Betreiben bekommen.

Zur Übersicht, diese Faktoren haben unteranderem Einfluss auf die Höhe der EEG–Umlage:
  • der erwartete “Börsen”-Strompreis,

  • die Höhe des zuletzt verbrauchten Stroms,

  • der Zubau an EEG-geförderten Anlagen,

  • der aktuelle EEG-Kontostand

Der Nutzen: Den Strompreis eher stabilisieren als deutlich senken

Die EEG-Umlage ist jedoch nur ein Bestandteil des Strompreises. Andere Teile ergeben sich aus den Beschaffungskosten der Energieversorger für den Strom. Diese sind im letzten Jahr bis zu 60 % gestiegen wie der Spiegel berichtet. Dazu kommt ein ohnehin enorm gestiegener Strompreis am Markt, der sogar Regierungen rund um die Welt alarmiert hat. Deutschland zählte schon vor der Entwicklung zu den Ländern mit den höchste Strompreisen in der EU. Deshalb wird in der Branche damit gerechnet, dass eine zwar stark sinkende Umlage die Strompreise insgesamt stabilisiert, die Stromkosten aber unterm Strich nicht relevant sinken werden.

Begründen lassen die erhöhten Stromkosten mit dem Wirtschaftsaufschwung nach der Corona-Krise, der auf weniger Angebot traf, sowie leere Gasspeicher nach einem langgezogenem Winter. Der Gaspreis hat nämlich einen erheblichen Einfluss auf die Strompreise. Im Ausland sieht die Lage wenig besser aus. In Großbritannien sind die Energiepreise seit Jahresbeginn um sage und schreibe 250 % gestiegen.

Wie das Handwerk auf die Entwicklung reagiert

Grundsätzlich lässt sich das nicht eindeutig sagen. Allerdings ist es bei den Stromkosten nicht von der Hand zu weisen, dass KMU wie Handwerksbetriebe mit stabilen Strompreisen besser planen können. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (kurz: ZDH) hatte letztes Jahr schon Befürworter, die EEG-Umlage durch Bundesmittel aus der CO2-Besteuerung zu senken, um den Strompreis an die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben anzupassen und sie dadurch zu entlasten. Auch wenn dadurch der Strompreis nicht wie gefordert erheblich sinken wird, lässt sich sagen: immerhin etwas. Außerdem verlangt der ZDH zusätzlich bürokratiearme Fördermodelle für den Ausbau von Solaranlagen.

Zur Zukunft der EEG-Umlage

Der scheidende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagt zur geplanten Senkung im Jahr 2022, dass diese grundsätzlich gut sei, aber in Zukunft noch weiter sinken müsse. Gerade mit Blick auf die Wirtschaft und Privatverbraucher. Ginge es nach ihm, solle man die Umlage komplett abschaffen. So sehen es auch nach ersten Sondierungsgesprächen auch die wahrscheinlich neuen Regierungsparteien aus SPD, Grünen und FDP. Das nächste Jahr wird zeigen, was genau mit der Umlage geschehen wird.

Max Lehmann Redakteur @craftnote

Passionierter Schreiber und Student mit einem Fokus auf Themen zum Handwerk