Zur Übersicht Max von Craftnote | 10. November 2020

Junge Meister leben und denken Handwerksberufe neu

Wie junge Meister ihr Handwerk verändern, mit alten Rollenbildern brechen und wie erfolgreich sie damit sind.

Der Meistertitel ist ein Qualitätsmerkmal im Handwerk, das Mitarbeiter und Führungskräfte auszeichnet. Jede neue Generation von Meistern im Handwerk bringt ein neues Verständnis für die Herausforderungen der Branche mit: Zum Beispiel der Digitalisierung, da junge Menschen in einer digitalen Welt aufgewachsen sind. Neue oder verbesserte Arbeitstechniken können so ihren Weg in die Arbeitswelt finden. Die Devise lautet: Traditionsberufe nicht nur neu denken, sondern auch leben. Erfolgreich sein und dabei Leute mit dem Handwerk begeistern. Die ZDF-Dokumentationsserie „37 Grad“ gibt deswegen jungen Meistern eine Bühne, die genau das auf interessante Weise umgesetzt haben.

Wir geben Dir einen kurzen Überblick, was junge Handwerksmeister anders machen und wo sie mit alten Rollenbildern brechen.

Die gläserne Metzgerei in Berlin

In der Schule fiel Jörg Forstera durch schlechte Noten auf, woraufhin ihm ein Leben als Hartz-IV-Empfänger vorausgesagt wurde. Im Alter von 32 Jahren sieht das allerdings komplett anders aus. Der junge Handwerksmeister betreibt mit seiner gläsernen Metzgerei „Kumpel und Keule“ in der Markthalle 9 Berlins einen der größten Ausbildungsbetriebe der Stadt. Zudem konnte er in der Coronakrise sogar seinen Umsatz steigern. Möglich wird das durch komplette Transparenz bei der Arbeit, dem Augenmerk auf Tierwohl und schlauem Marketing – auch über Social Media. Damit überzeugt er auch jüngere Kunden bei ihm Fleisch zu kaufen. Dazu hat sein Betrieb mit 18 Mitarbeitern eine beachtliche Größe erreicht.

Wie sich eine Tischlerin gegen Vorurteile in einem männerdominierten Beruf durchsetzt

Johanna Röh erstellt als Tischlermeisterin Möbel nach Maß, neuen Ideen und individuellen Kundenwünschen her. 2018 gründete die 32-Jährige ihren eigenen Betrieb in der Ortschaft Alfhausen (Niedersachsen), in dem sie bereits einen Azubi beschäftigt. Als Tischlermeisterin und Handwerksunternehmerin setzt sie sich gegen typische Klischees von Frauen im Handwerk, Frauen seien für den Beruf nicht geschaffen, zur Wehr. Auch einige Auftraggeber würden noch immer nachhaken, ob sie sich die Projekte als Frau zutraue. Sie antwortet darauf unmissverständlich mit guter Arbeit.

Einige ihrer Vorzeigeprojekte aus der Dokumentation sind spezielle Ornamente für einen Whiskeyschrank sowie ein Abbild des Jakobswegs, welches sie in eine Schrankwand fräste und mit LED-Lampen ausleuchtete. Das ihr Konzept funktioniert, zeigt das gut gefüllte Auftragsbuch, auch in Zeiten von Corona.

Ein Hufschmied, der dem alten Beruf neues Leben einhaucht

Hufschmied ist ein Knochenjob mit langer Tradition. Doch Georg Stinauer, aus dem bayrischen Ort Ebersberg, kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. Für Stinauer sei jeder Tag wie Urlaub, weil ihm die Arbeit Spaß mache. Der 33-Jahre junge Handwerksmeister verfeinerte jahrelang sein Modell eines Hufeisens aus Metall und Kunststoff. Mit den Eisen bewegen sich die Pferde nicht nur leichter, sondern bekämpfen auch Rückenprobleme der Tiere. Seine individuell angefertigte Kunststoffkombination bringt demnach frischen Wind in das Schmiedehandwerk. Seine Modelle werden so gut angenommen, dass er sie über seine Website an Kollegen verkauft.

Was bedeutet das für das zukünftige Handwerk?

Vielfalt. Was allerdings alle hier vorgestellten Handwerksmeister eint, ist die Passion für die Arbeit mit den Händen, egal welche technischen Hilfsmittel noch zum Einsatz kommen. Es gibt ihnen Zufriedenheit etwas zu schaffen, was gebraucht wird. Dabei schaffen sie es auf der einen Seite Traditionen zu wahren und auf der anderen Seite mit einigen zu brechen, um das Handwerk weiterzuentwickeln, auf ihre ganze eigene Weise. Ganz nebenbei scheinen ihre Betriebe auch in der Coronakrise sicher zu sein. Keine Einbußen und sogar Umsatzsteigerungen bei der Metzgerei sind zu verzeichnen. Das zeigt, welches Potenzial in der Branche steckt.
Könnten diese Berichte über junge Meister, die das Handwerk neu denken, nicht auch dazu beitragen, einige der über 50.000 freien Lehrstellen zu besetzen?

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